KANINCHEN, MEERSCHWEINCHEN UND ANDERE TIERE


Die traurige Geschichte von Muffin und Filou

Kaninchen und Meerschweinchen

Kaninchen, Meerschweinchen und Hunde

Kaninchen, Meerschweinchen und Katzen

Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel

Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nager

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Womöglich leben in Ihrem Haushalt schon andere Tiere oder Sie haben Kaninchen oder Meerschweinchen und möchten eine weitere Haustierart aufnehmen. Hier klären wir in Kürze auf was Sie achten müssen.

Zuerst wollen wir klarstellen, dass es hier nie darum geht, EIN Kaninchen oder EIN Meerschweinchen zusammen mit einer anderen Tierart zu halten, sondern lediglich darum, dass eventuell andere Tierarten im selben Haushalt leben.

Was passieren kann, wenn man zwei verschiedene Tierarten auf kleinstem Raum zusammenhält, zeigt die folgende traurige Geschichte:

Die wahre Geschichte von Kaninchen Muffin und Chinchilla Filou

Am Vormittag des 27.5.2006 erreichte Claudia Bibracher ein Anruf. Eine Dame wollte ein Chinchilla abgeben. Angeblich hatte eine Freundin der 10 Jahre alten Tochter von ihren Eltern ein Kaninchen und ein Chinchilla als Haustiere bekommen. Die Tiere lebten offenbar längere Zeit zusammen in einem kleinen Käfig ohne Bretter und damit ohne Rückzugsmöglichkeiten für das Chinchilla. Es war den Angriffen des Kaninchens hilflos ausgeliefert. Die 10-jährige Tochter der Frau hatte dann ca. Anfang Mai 2006 die Tiere zu sich genommen und in einem Karton unter ihrem Bett versteckt, da es aufgrund einer Allergie ihres Bruders eigentlich keine Tiere halten durfte. Nachdem der Bruder jedoch allergische Reaktionen zeigte, fand die Mutter die Tiere.

Frau Bibracher erklärte sich bereit, die Tiere zu übernehmen und es wurde kurzfristig eine Fahrmöglichkeit organisiert. Am gleichen Nachmittag trafen die Tiere in München ein. Abgegeben wurde eine Box, in der sie offenbar auch die letzte Zeit gelebt hatten: ein Karton mit etwa den Maßen 50 (breit) x30 (tief) x50 (hoch) cm.



Das Bild, das sich nach Öffnen der Schachtel bot, war erschreckend. Es befand sich darin unter Zeitungen nicht nur das Chinchilla, sondern auch das Kaninchen. Die ganze Box stank nach Kot und Urin, keinerlei Trinkmöglichkeit. Beide Tiere waren apathisch, insbesondere das Chinchilla zeigte kaum Reaktionen. Beim Herausnehmen zeigte sich das ganze Ausmaß des Schreckens.







Das Chinchilla (ein Standard-Böckchen) war vom Kaninchen vollkommen verbissen. Das gesamte Fell am Körper war verklebt, meist durch eine Mischung aus Blutkrusten und Fell. Das ganze Tier war vollkommen dehydriert und abgemagert - fraglich wann es das letzte Mal überhaupt Wasser bekommen hatte. Springen oder sich normal bewegen konnte es überhaupt nicht. Vermutlich hatte es in seinen früheren Behausungen auch nie die Möglichkeit dazu bekommen. Die schlimmen Folgen der nicht behandelten Wunden zeigten sich aber insbesondere nach genauer Untersuchung der teilweise massiven Kopfverletzungen. Der gesamte Bereich zwischen Schädel und Kopfhaut, von den Augen bis zum Nacken war vollkommen vereitert. Nur ein Kleiner Druck auf irgendeine Stelle genügte um Eiter an mehreren Stellen hervor treten zu lassen. Das gleiche galt für mehrere größere Wunden am Rücken.


Die Infektion hatte sich unter den Krusten vermutlich über mehrere Wochen hin ausgebildet und über den gesamten Schädel verbreitet. Das Chinchilla wurde einer Tierärztin vorgestellt und anschließend liebevoll umsorgt. Doch leider war sein kleiner Kampfgeist bereits erloschen. Er verstarb aufgrund seiner Verletzungen leider am 29.05.2006.

Das Kaninchen war zwar nicht in einer so lebensbedrohlichen Verfassung wie das Chinchilla, jedoch waren die Spuren seiner Leiden auch deutlich zu erkennen:




Augen und Nase waren vollkommen verklebt, die Vorderpfoten nach innen gewachsen. Muffin, diesen Namen bekam das Kaninchen in seiner Pflegestelle, litt bis zu seinem Tod, zwei Jahre später, unter starkem Nasenausfluss und Durchfall, da der Darm durch die jahrelange Fehlernährung nicht mehr reparabel war.


An dieser Stelle vielen Dank an Claudia Bibracher für die Erlaubnis das Bildmaterial zu verwenden und an Sonja Tschöpe für den daraus verfassten Bericht.



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Kaninchen und Meerschweinchen

Wenn Sie diese Konstellation (ein Kaninchen mit einem Meerschweinchen) zu Hause sitzen haben, wurden Sie vermutlich entweder in einer (zweifelhaften) Zoohandlung beraten oder Sie haben von Bekannten gehört, dass sich ihr Meerschweinchen und ihr Kaninchen ja so gut verstehen. Leider hält sich auch dieser Irrglaube hartnäckig. Doch jeder, der einmal vernünftig darüber nachgedacht hat oder sich nur ein wenig über die beiden Tierarten informiert, der kann nicht mehr glauben, dass diese Tiere wirklich glücklich zusammen sind. Sie unterscheiden sich einfach zu sehr.
Kaninchen sind "stille" Tiere, sie geben nur sehr selten Laute von sich. Sie suchen fast ständig den Körperkontakt zu Artgenossen. Sie bewegen sich hoppelnd vorwärts, machen Männchen, springen auf Erhöhungen. Meerschweinchen dagegen verständigen sich über Laute mit ihren Artgenossen. Sie brauchen zwar auch Artgenossen, direkter körperlichen Kontakt oder womöglich sich gegenseitig putzen, gehört dagegen nicht zu ihren natürlichen Verhaltensweisen. Wenn Sie nun immernoch der Meinung sind, das wäre dennoch eine tolle Kombination, dann stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr Leben mit einem Gorilla teilen müssen. Ein Zimmer, Sie und der fellige Freund, kein anderer Mensch, kein weiterer Menschenaffe. Sie müssten sich arrangieren und würden das wohl auch tun, klar, haben Sie auch eine andere Wahl? Aber wären Sie glücklich?

Und so ist es auch mit Meerschweinchen und Kaninchen, Sie dulden sich in den meisten Fällen, aber sie werden nie die gleiche Sprache sprechen und keiner wird je die Bedürfnisse des anderen erfüllen. Es ist ein Zwangsarrangement und nichts weiter als traurig.


Eine gut funktionierende gemischte Meerschweinchen-Kaninchen-Gruppe. Hier klappt sogar das gemeinsame Futtern ohne Probleme.

Anders verhält es sich mit der Gruppenhaltung von Kaninchen und Meerschweinchen. Das ist durchaus eine Haltung die funktionieren kann. Voraussetzung ist natürlich, dass jedes Tier seinen Artgenossen hat, das heißt es sind mindestens zwei Kaninchen und zwei Meerschweinchen und sie haben genügend Platz zur Verfügung. Sie sollten hier dafür sorgen, dass die kleineren meist (nicht immer *gg*) wehrloseren Meerschweinchen einen oder mehrere Rückzugsorte haben, die sie nicht mit den Kaninchen teilen müssen. Dazu eigenen sich geräumige Häuschen mit kleinen Ein- und Äusgängen, also zu klein für die Kaninchen, jedoch groß genug damit kein Meerschweinchen stecken bleiben kann. Ist der Größenunterschied zwischen Meerschweinchen und Kaninchen nicht sehr groß, haben sich Röhren bewährt, die in die Häuschen oder Eigenbauten führen. Durch ihre hoppelnde Gangart brauchen Kaninchen weitaus größere Röhrendurchmesser als Meerschweinchen. Bei Pilars Gemeinschaftshaltung von 5 Kaninchen mit 3 Meerschweinchen hat sich ein großzügiger Eigenbau für die Meerschweinchen innerhalb des Geheges bewährt. Hier finden die kleinen Quieker alles was sie brauchen: Heu, Wasser, Häuschen, Rampen und vor allem Ruhe und Zuflucht vor den Kaninchen falls dies nötig sein sollte (war es bisher nicht). Die Meerschweinchen sehen diesen Eigenbau als ihr eigentliches Zuhause und verbringen dort sehr viel Zeit, besonders die Ruhephasen. Sie haben aber dennoch die Möglichkeit den vielen Platz außerhalb des Eigenbaus zusammen mit ihren langohrigen Freunden zu nuten.


Pilars Gemeinschaftsgehege mit dem Meerschweincheneigenbau rechts im Bild.


Für die Kaninchen können einige höhergelegene Sitz- und Ruheplätze geschaffen werden damit auch sie die Möglichkeit haben, den wuseligen Quiekern auszuweichen. Man sollte immer bedenken, je mehr Möglichkeiten man den Tieren gibt, sich auszuweichen, desto wahrscheinlicher ist ein reibungsloses Zusammenleben. Also lieber Vor- als Nachsicht und wer weiß, manchmal entstehen zwischen den beiden Tierarten tatsächlich Freundschaften.


Unter optimalen Bedingungen können sich Meerschweinchen und Kaninchen durchaus anfreunden.





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Kaninchen, Meerschweinchen & Co und Hunde

Lebt in Ihrem Haushalt bereits ein Hund oder denken Sie über die Anschaffung eines Hundes nach, so ist dies prinzipiell kein Problem. Es müssen einfach einige Dinge beachtet werden, damit die "WG" auch reibungslos funktioniert.
Bedenken Sie bitte, dass jeder Hund, auch das allerkleinste Schoßhündchen ein Raubtier ist und einen Jagdtrieb hat. Sie müssen Ihre Kleintiere also ausreichend schützen. Naütürlich kann man einen Hund in gewissem Maße erziehen, ihm beibringen, dass es sich bei den Kaninchen oder den Meerschweinchen um Familienmitglieder handelt, doch sollten Sie diese Beziehung nie auf die Probe stellen und den Hund allein mit "seiner Beute" lassen.
Auf Grund ihrer geringeren Größe und ihrer ausgeprägteren Schreckhaftigkeit fallen Meerschweinchen wohl noch mehr ins Beuteschema eines Hundes als Kaninchen. Dennoch sollten beide Tierarten sicher untergebracht sein und man sollte dafür sorgen, dass der Hund/die Hunde sich nicht ständig vor dem Gehege aufhalten und die Tiere erschrecken. Als Unterbringung für die Kleintiere kommt nur ein von allen Seiten (also auch von oben) geschütztes Gehege in Frage und beim Auslauf in der Wohnung oder im Garten sollten die Kaninchen und Meerschweinchen auch ausreichend geschützt oder beaufsichtigt werden.

Denken Sie immer daran, dass es sich bei Hunden um Tiere handelt, die einen Jagdinstinkt haben und man kann nie wissen, ob er nicht doch eines Tages durchbricht. Gehen Sie also kein Risiko ein.





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Kaninchen, Meerschweinchen & Co. und Katzen

Die gemeinsame Haltung von Katzen mit kleinen Nagetieren wie Mäusen, Hamstern usw. in einem Haushalt erfordert für die Nager in jedem Fall ein absolut gesichertes Gehege, da diese Tiere aufgrund ihrer Größe natürlich ins Beuteschema einer Katze fallen. Auch beim Freilauf muss man unbedingt darauf achten, dass die Katze nicht zugegen ist.
Bei Meerschweinchen ist es nicht weniger problematisch und man sollte der Katze keinesfalls den Zugriff auf die frechen Quieker ermöglichen. Selbst wenn die Katze "nur spielen" möchte, kann es zu schlimmen Verletzungen kommen. Der Fluchttiercharakter der Meerschweinchen animiert die Katze natürlich auch zur Verfolgung und bei einer ernsthaften Jagd ist das Meerschweinchen hier chancenlos. Die Verletzungen, die es durch die scharfen Krallen und Bisse davontragen kann, enden oft tödlich.

Kaninchen sind sehr stressanfällige Tiere, die bei einer Jagd auch einfach einem Herzinfarkt erliegen können. Viele Kaninchen gewöhnen sich jedoch an die Anwesenheit einer Katze, wenn man es mit viel Geduld angeht. Unsere Pflegekaninchendame "die dicke Berta" ging sogar zum sofortigen Angriff über, wenn eine Katze auch nur mit Abstand an ihrem Pflegegehege vorbeistreifte. Allerdings ist Berta mit ihren gut 5 Kilogramm auch ein beeindruckendes Kaninchen und die meisten Katzen haben bei ihrem Anblick und dem wütendem Brummen samt gegen das Gitter schlagender Pfötchen schnell die Flucht ergriffen.
Leider ist uns jedoch auch ein Fall bekannt, in dem eine Katze in den Zusatzfreilauf der Kaninchen eingedrungen ist. Dieser war zwar durch ein Netz gesichert, was den Eindringling aber nicht abhalten konnte. Frauchen war nur für kurze Zeit im Haus und als sie wieder nach draußen kam war es bereits zu spät. Die Nachbarskatze hatte ein Kaninchen so schwer verletzt, dass es nur noch eingeschläfert werden konnte. Der Katze kann man keinen Vorwurf machen, sie folgt nur ihren Instinkten. WIR sind gefordert auch beim Gartenfreilauf auf die Sicherheit unserer Kaninchen zu achten.
Natürlich gibt es auch Katzen, die sich nicht im geringsten für Kaninchen oder sogar Meerschweinchen interessieren, sowohl Connys frühere Katze Busserl als auch ihre jetzige Omikatze Dickiwikk sind solche Exemplare. Aber selbst diese Katzen sollte man nicht ohne Aufsicht mit Kaninchen alleine lassen.





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Kaninchen, Meerschweinchen & Co und Vögel

Haben sie bereits Vögel oder möchten Sie gerne welche halten, so ist auch dies prinzipiell kein Problem. Die Tiere sollten nur nicht unbedingt im gleichen Raum bzw. nächster Nähe untergebracht werden. Besonders dann wenn es sich um etwas "mitteilungsbedürftigere" Vogelarten oder doch sehr laute Papageien handelt. Dass der Freiflug der Vögel nach Möglichkeit nicht im selben Zimmer stattfinden sollte, in dem auch die Kaninchen und/oder Meerschweinchen leben, versteht sich wohl aus hygienischen Gründen von selbst. Die wenigsten Vögel werden wohl stubenrein, können aber Würmer und ähnliche Krankheiten auf die Kleintiere übertragen.





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Kaninchen, Meerschweinchen und andere Nager

Außer Kaninchen (die ja eigentlich Hasenartige sind) und Meerschweinchen gibt es ja noch viele weitere liebenswerte Nager wie z.B. Hamster, Rennmäuse, Farbmäuse, Degus, Chinchillas oder Ratten. Schon allein die sehr unterschiedlichen Ansprüche an die Gehegegestaltung und das Nahrungsangebot machen klar, dass diese Tierarten nicht gemeinsam mit Kaninchen oder Meerschweinchen gehalten werden können. Sie können durchaus im selben Raum leben, aber bitte in eigens für sie eingerichteten Gehegen.