12. September 2007
Oft hört man ja als Argument gegen Tierschutztiere, dass diese verhaltensgestört oder krank wären und man sich doch lieber ein junges, gesundes Tier beim Züchter oder in der Zoohandlung holen möchte. Aber eine Garantie bekommt man auch dort nicht! Im Gegenteil, viele Zooläden (nicht alle!!!) verkaufen Tiere, die viel zu früh von der Mutter getrennt wurden und schlecht sozialisiert und teilweise sogar krank sind. Verkaufen bewusst trächtige Tiere, um so wieder an kostenlosen Nachwuchs zu kommen.
Es ist absolut nicht die Regel, dass Tierschutztiere krank sind, im Gegenteil, gute Tierschutzorganisationen vermitteln nur gesunde Tiere bzw. weisen auf Krankheiten oder Behinderungen deutlich hin. Verhaltensauffälligkeiten kann es natürlich geben, schließlich haben diese Tiere oft kein schönes Leben hinter sich. Aber wenn man sich darüber klar ist und mit viel Geduld und Liebe der Herausforderung begegnet, dann bekommt man meistens wundervolle Geschenke für das, was man investiert ... nämlich Liebe und Vertrauen ... und das sind Güter, die mit keinem Geld der Welt zu messen sind.
Aber auch wir mussten nun am eigenen Leib die traurige Erfahrung machen, dass es nicht überall im Tierschutz mit Sorgfalt zur Sache geht. Bisher haben wir uns hier mit Kommentaren zurückgehalten, weil wir der Tierhilfe Schweinfurt helfen wollten, die unhaltbaren Zustände zu erkennen und abzustellen. Da die Verantwortlichen nicht so aktiv wurden, wie wir es für notwendig hielten, nehmen wir keine Rücksicht mehr und bemühen uns um die vernachlässigten Tiere mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.
Es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, dass uns zwei von
drei Katzen im Juli in einem verwahrlosten Zustand übergeben wurden. Und das nach langem Aufenthalt im Katzenhaus.
Das Schlimme daran ist, dass solche Organisationen dem Ruf aller schaden, die sich mit viel Mühe, Zeit und Geld engagieren und deren harte Arbeit zu Nichte machen. Ich bin gerne bereit zu unterstützen und zu helfen, um alles noch zum Guten zu wenden, jedoch kann es nicht sein, dass die eigentlich Zuständigen sich zurücklehnen und nur abwarten ... und das auf Kosten der Tiere und auch deren neuen Besitzer.
Als wir uns Lucy ausgesucht haben sind wir davon ausgegangen, dass sie eine Augenverletzung hat und evtl. eine OP bevor steht. Bei Hanni und Nanni gingen wir davon aus, dass sie alt sind.
Unser Telefonat mit einer Dame vom Katzenhaus hat dann ergeben, dass Lucy schon seit längerer Zeit keine Probleme mehr mit dem Auge hat. Auf unsere Nachfrage, was es denn gewesen sei, bekamen wir die Antwort, dass es sich von ganz alleine gebessert hätte, da wäre kein Tierarzt nötig gewesen. Das war der erste Punkt, der mich sehr erstaunt hat, denn es wurde in verschiedenen Foren und auf der HP um Spenden für Lucys Augenbehandlung geworben, auch noch zu diesem Zeitpunkt.
Auf die Frage wie alt Lucy sei bekamen wir keine Antwort, das sei nicht bekannt, sie wäre seit zwei Jahren im Katzenhaus, was vorher mit ihr war wüsste Niemand.
Bei meinen Fragen zu Hanni und Nanni hieß es, dass sie sich im Katzenhaus immer zusammen aufhalten, alt seien (ca. 10-11 Jahre) und ein schweres Bauernhofleben hinter sich hätten.
Vielleicht hätte ich noch mehr nachhaken sollen, aber ich glaube nicht, dass ich dann mehr erfahren hätte, ich bin zu keiner Zeit davon ausgegangen, dass Hanni und Nanni krank sind, denn es wäre ja ganz normal, dass man uns dies mitteilt ... ODER???
Am 15. Juli sind die drei dann bei uns angekommen, dabei Dr. Sabine Fromm, die Webmasterin der Tierhilfe Schweinfurt, die allerdings das Katzenhaus selbst nicht kennt, weil sie nicht vor Ort wohnt, sondern dem Verein seit ein paar Monaten bei der Webseite hilft und die Tiere in Foren einstellt. Sie muss die Informationen glauben und verarbeiten, die ihr geliefert werden. Und dann war noch die Dame dabei, mit der ich schon telefoniert hatte. Hanni und Nanni kamen sofort aus ihrer Transportbox und erkundeten neugierig die Gegend und waren überhaupt nicht scheu. Was aber auf den ersten Blick auffiel, sie waren in schlechtem körperlichen Zustand, sehr abgemagert, struppiges Fell und beide schnupften sehr stark, Nanni auch mit Nasenausfluss. Auf meine Nachfrage sagte mir die Dame vom Katzenhaus, das dies jetzt vom Stress des Umzuges käme. Als es dann zum Schutzvertrag ging stellte sich heraus, dass bei allen drei Katzen keine aktuellen Impfungen vorlagen und auch eine Entwurmung angeraten wäre. Aus diesem Grund bekamen wir eine Ermäßigung der Schutzgebühr.
Und dann noch eine kleine Geschichte der Dame, die eigentlich schon sehr viel darüber aussagt, wie gut sie sich mit Katzen auskennt:
Sie übernahm eine scheue Katze aus dem Katzenhaus zu sich nach Hause. Als diese Katze nach vier Tagen noch immer nicht aus ihrem Versteck kommen wollte, öffnete sie ihr die Haustür, damit sich die Katze "selbst entscheiden" könne, ob sie bei ihr bleiben wollte oder lieber die Freiheit möchte ... muss ich weiter erzählen und meine Meinung dazu äußern ... ich glaube nicht.
Wenn wir nach zwei Wochen die Tür nach draußen geöffnet hätten, wäre das wohl der Abschied von Lucy gewesen ... nun ist sie knapp 7 Wochen im Haus, frisst mit den anderen Beiden in der Küche und schläft seit wenigen Tagen am Fußende AUF (jawoll, nicht mehr unter) dem Bett. Und ... lässt sich täglich ein bisschen mehr und vertrauensvoller streicheln!!! Man muss einem Tier die Möglichkeit geben Vertrauen zu fassen und so etwas passiert in der Regel nicht in vier Tagen.
In den nächsten Tagen und Wochen stellte sich erst heraus, was da für arme Kreaturen bei uns eingezogen waren. Natürlich fiel uns sofort auf, dass sich Hanni und Nanni ständig kratzten, die Ohren schwarz vor Milben waren und der Schnupfen keineswegs nur ein kurzes Stresssymptom bedeutete. Bei Hanni tränte ein Auge sehr stark, sie nieste unentwegt, Nanni war klapperdürr und schnupfte so stark, dass ständig eitriger Ausfluss durch die Gegend flog. Beide hatten Durchfall, der extrem stank. Über Lucy konnten wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nichts sagen, denn die hatte sich unter dem Bett verschanzt und kam nur heraus, wenn wir geschlafen haben.
Also ging unser Weg ein paar Tage später zum Tierarzt. Nur mit Hanni und Nanni natürlich, Lucy konnten wir bis heute nicht einfangen, obwohl wir es mit sanfter Gewalt mehrmals versucht haben.
Das Ergebnis: Starker Flohbefall, Würmer, Ohrmilben bis zum Abwinken. Also erst einmal die ganze Ladung an Medikamenten + Antibiotikum wegen dem Schnupfen. Das Ergebnis der Kotuntersuchung nach zwei Wochen war mehr als frustrierend ... Giardien (Darmparasiten, die Dank der Tatsache, dass sie eine Zoonose sind, auch für den Menschen ansteckend und in diesem Fall sogar eine meldepflichtige Erkrankung sind) ... Ihr könnt Euch unsere Begeisterung bestimmt vorstellen.
Es stand natürlich nie zur Debatte die Tiere zurückzugeben, was andere Betroffene wohl getan haben, im Gegenteil, es war klar, dass die anderen Katzen, die noch dort im Katzenhaus saßen, genauso betroffen waren und denen musste geholfen werden. Also haben wir uns mit Sabine Fromm in Verbindung gesetzt und auch mit der anderen Dame. Sabine hat nicht gezögert und alles getan, um die Leute vor Ort wach zu rütteln, den Tierarzt kommen zu lassen und die Zustände dort zum Positiven zu wenden. Die andere Dame, die ja vor Ort wäre, hat mir nur geschrieben, dass wir doch gewusst hätten, dass wir "Problemkatzen" bekommen und sie wäre jetzt sehr traurig und müsse weinen ... ja, zum weinen war mir auch bei all den Medikamenten- und Tierarztrechnungen und vor allem, wenn ich mir Nanni ansehe, die nach wie vor nicht über den Berg ist.
Sabine hat ständigen Kontakt zu uns gehalten, den Vereinsvorstand informiert und weitere Mails verschickt und auf die Dringlichkeit des Handelns hingewiesen ... ohne Erfolg.
Der Vereinsvorstand hat sogar persönlich bei mir angerufen und viele (leere) Versprechungen gemacht, umgesetzt wurde nichts. Dank Sabine Fromm wird sich aber nun für die Katzen in Schweinfurt etwas ändern, inzwischen hat sie nämlich das Veterinäramt informiert, dieses war auch umgehend vor Ort und nun werden Schritte eingeleitet, dass die verbliebenen Katzen endlich vernünftig tierärztlich versorgt werden und dann auch gesund ins neue Zuhause ziehen können, bzw. zumindest das künftige Herrchen/Frauchen darüber informiert wird, an was die Katzen leiden und dann selbst die Entscheidung treffen können, ob sie dem gewachsen sind.
Viele neue Besitzer reagieren auf die Krankheiten, die sich zum Teil auch einfach in Unsauberkeit äußern können (z.B. eine Blasenentzündung) aus Unwissenheit mit der Rückgabe des Tieres, denn sie rechnen ja nicht mit einer Erkrankung, sondern in diesem konkreten Fall damit, dass sich die Katze im neuen Zuhause nicht wohl fühlt. Also muss das Tier zurück und die Seele noch ein Stück mehr gebrochen ... die Schuld gebe ich hier nicht den neuen Herrchen/Frauchen, die schlichtweg überfordert sind, nein, die Schuld spreche ich ganz klar denen zu, die es versäumt haben solche Tiere untersuchen zu lassen.
Wir lieben unsere drei Miezen von ganzem Herzen und werden alles dafür tun, dass sie gesund werden ... koste es was es wolle ... aber man hätte ihnen viel ersparen können.
Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei Frau Dr. Sabine Fromm für die Courage bedanken, sich aktiv um bessere Zustände im Katzenhaus zu bemühen und die Verantwortlichen entsprechend "wach zu rütteln". Sie hat übrigens auch eine Angst-Katze aus einer (wirklich guten) Pflegestelle aufgenommen, die sich bei guter Pflege bis heute zu einer Schmusekatze entwickelt hat.