Keine Tiergeschenke zu Weihnachten

"Mama, Papa, ich wünsche mir ein Tier zu Weihnachten!"

Weihnachtszeit ist Geschenke-Zeit ... und wer freut sich nicht über leuchtende Kinderaugen am Weihnachtsabend, wenn der größte Herzenswunsch unserer Kleinen erfüllt wurde?
Doch der Schein trügt oder verliert zumindest meist sehr bald sein Leuchten, wenn es sich um lebende Tiere handelt.

Auch im Computerzeitalter stehen Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster & Co. ganz oben auf der Wunschliste der Kinder. Ein tolles Weihnachtsfest, womöglich mit viel Besuch, lauter Stimmungsmusik und unendlich vielen weihnachtlichen Gerüchen - so ein hektischer Weihnachtsabend ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt ein Tierchen in die Familie aufzunehmen. Tiere sind kein Spielzeug oder eine Sache, die man einfach in einen Schublade räumen kann, wenn sie "im Weg umgehen" oder nicht mehr interessieren. Sie brauchen viel Aufmerksamkeit, Fürsorge und Pflege; nicht zu verachten sind die Kosten, die auf einen zukommen, denn mit der Anschaffung alleine ist es noch lange nicht getan. Gehege, Stall, Ausstattung, Futter, aber auch anfallende Tierarztkosten, wenn das Tier geimpft werden muss oder krank wird - all das sind Faktoren, die vorher bedacht werden müssen. Auch bei Urlaubsreisen will das neue Familienmitglied gut versorgt sein; und wer kümmert sich, wenn das Kind sein Interesse an dem Tier verliert???

Was passiert mit den Tieren nach den Feiertagen?
Was in den ersten Tagen und Wochen noch viel Freude macht und für Überraschungen sorgt, wird in vielen Fällen leider bald lästig und unangenehm. Der Stall muss regelmäßig gereinigt, Futterzeiten eingehalten werden - kurz um, ein Haustier aufzunehmen ist eine langfristige Verpflichtung, die verlangt, dass man dieses gut versorgt und sich mit ihm befasst.

Auf einmal findet das Kind nichts mehr Schönes an dem Tierchen; das Kaninchen fängt an zu beißen, wenn man in den Käfig greift, der Hamster steht vor 22 Uhr nicht auf und lärmt die ganze Nacht, und womöglich sitzt das arme Meerschweinchen teilnahmslos und einsam in der Käfigecke und ist nur noch scheu. Solche Tiere landen über kurz oder lang in Tierheimen und Notstationen, die eh nahezu (besonders nach der Weihnachtszeit) überfüllt sind, und fristen ein trauriges Dasein.

LASSEN SIE ES NICHT SO WEIT KOMMEN!
BEDENKEN SIE VORHER WICHTIGE PUNKTE:


Der Entschluss, ein Tier aufzunehmen, muss in jedem Fall gut durchdacht sein und darf nie durch Drittpersonen entschieden werden! Jeder, der ein Tier aufnimmt, muss sich im Klaren sein, dass ER die Verantwortung für dieses übernimmt.

Tipps für den guten Start mit Haustieren
Es gibt viele Gründe dafür, sich ein Tier ins Haus zu holen. Tiere bringen Freude. Sie schenken Wärme, Zuneigung und führen zu neuen Kontakten mit anderen Menschen. Die meisten Kinder fühlen sich zu Tieren hingezogen. Noch zu keiner Zeit waren Tiere so wichtig für die Entwicklung der Kinder wie in unserer vollautomatisierten Zeit. Mit der Freundschaft zum eigenen Tier wächst auch die Bereitschaft, unsere Mitlebewesen zu achten und schützen.

Gerade deshalb sollten Sie VOR DER ANSCHAFFUNG wichtige Punkte bedenken:

a) Welches Tier passt zu Ihrem Kind?
Egal wie alt Ihr Kind ist: eine Überwachung, Beobachtung und Führung des Kindes im Umgang mit den Tieren ist auf jeden Fall erforderlich!
Kinder können grausam sein, absichtlich oder unabsichtlich. Durch unachtsames Halten oder eine zu schnelle Bewegung können den Tieren Knochenbrüche oder im schlimmsten Fall tödliche Verletzungen zugefügt werden. Besonders kleine Kinder, deren Feinmotorik noch nicht ausgereift ist, "knuddeln" ja so gerne mal mit Meerschweinchen oder Kaninchen, die dies leider oft nicht heil überstehen! Deswegen kommen für kleine Kinder wegen ihrer Ungeschicklichkeit nur wenige Tiere in Frage: geduldige Hunde oder Katzen und auch dies nur unter ständiger Anleitung von Erwachsenen.

Ab etwa dem 10. Lebensjahr ändert sich das Verhalten der Kinder gegenüber dem Tier sehr. Sie beobachten es, forschen und freuen sich über das Wohlbefinden des Tieres. Deshalb kämen ab diesem Alter kleinere Haustiere, wie etwa Meerschweinchen und Kaninchen, in Frage. Beim Hamster oder auch Mäusen und Ratten liegt die Sache etwas anders, da dies nachtaktive Tiere sind, die meist tagsüber schlafen. Deshalb wird hier ein Mindestalter von 12 Jahren empfohlen.

b) Haben Sie sich über die Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse des Tieres ausreichend informiert?
Die Anschaffung von Haustieren ist ein Familienprojekt. Schließlich soll ein neues Familienmitglied aufgenommen werden und entsprechend sorgfältig müssen die Vorbereitungen sein. "Artgerechte Tierhaltung" sollte Ihre Devise sein, und deshalb müssen Sie sich VOR dem Kauf ausreichend informieren, welche Grundvoraussetzungen (z. B. was die Käfiggröße, die Käfigausstattung, das Futter etc. betrifft) erfüllt werden müssen.

Sollte sich Ihr Kind ein Kaninchen oder ein Meerschweinchen wünschen, gilt es zu prüfen, ob Sie genug Platz zur Verfügung haben, um mindestens zwei Tiere der gleichen Tierart versorgen zu können. Denn EIN MEERSCHWEINCHEN mit EINEM KANINCHEN zu halten ist Tierquälerei, denn diese Tiere sprechen nicht die gleiche Sprache. Es handelt sich hier um Kolonie- bzw. Sippentiere, die sehr sozial sind und die für ein artgerechtes Leben unbedingt einen Artgenossen benötigen. Einzelhaltung dieser Tiere bedeutet seelischen Stress und fördert die Vereinsamung; die Folge sind oft Verhaltensstörungen, wie z. B. Apathie oder Bissigkeit.
Ganz anders verhält es sich bei Hamstern: Hamster sind Einzelgänger, und müssen dringend auch so gehalten werden. Schafft man sich trotzdem mehrere Hamster an, muss mit extremen Beissereien spätestens bei Geschlechtsreife der Tiere gerechnet werden, die meist - wenn man nicht rechtzeitig die Tiere voneinander trennt - tödlich verlaufen.

Artgerechte Tierhaltung bedeutet auch, dem Tier so viel Platz und Freiraum zur Verfügung zu stellen, dass es sich seiner Art entsprechend frei bewegen und auch bei Bedarf zurückziehen kann. So muss z. B. ein Kaninchen auch mehrere Meter am Stück hoppeln können - nicht nur von einem Käfigende zum anderen, das in den meisten Fällen ca. 1 Meter entspricht. Das heißt, die Tiere benötigen Dauerauslauf, Käfighaltung ist bei Kaninchen Tierquälerei und da sie dämmerungsaktiv sind (was bedeutet, dass sie um ca. 4 Uhr morgens schon voll aufdrehen), ist auch ein Auslauf, der nur stundenweise unter Tags zur Verfügung steht, nicht artgerecht.

c) Liegen in Ihrer Familie evtl. Allergien vor?
Der Hauptabgabegrund in unserem Tierschutzverein sind Allergien ... bitte lassen Sie von ALLEN FAMILIENMITGLIEDERN einen Allergietest machen.

d) Verfügen Sie über die nötige Zeit, die das Haustier für eine regelmäßige Pflege in Anspruch nimmt?
Da Ihr Kind vielleicht noch zu klein ist oder womöglich bald das Interesse an den Tieren verliert, wird die Pflege und das Versorgen Ihnen zugelastet. Eine gründliche Reinigung des Käfigs bzw. des Geheges ist unerlässlich, um Krankheiten vorzubeugen.

e) Sind Unterbringung und Versorgung der Tiere im Urlaub geregelt?

f) Sind Sie sich dessen bewusst, für das Tier verantwortlich zu sein und zwar bis zu seinem Tod?
Mäuse können zwischen 1 bis 2 Jahre alt werden, Hamster 2 bis 4 Jahre, Meerschweinchen zwischen 6 und 8 Jahre und Kaninchen zwischen 8 bis 10 Jahre.
Bitte beachten Sie: Das sind nur Richtlinien; Ein gesundes Tier übersteigt oft sogar diese Zahlen! Sie müssen sich dessen bewusst sein, dass Sie für das Tier bis zu seinem Ableben verantwortlich sind, ohne Wenn und Aber!

g) Haben Sie alle anfallenden Kosten bedacht?
Nicht nur allein die Anschaffung des Tieres kann Unmengen an Geld verschlingen, denn Käfige oder Gehege haben einen stolzen Preis. Käfigausstattung, Zubehör und Futter müssen berücksichtigt werden; hinzu kommen anfallende Arztkosten, wenn das Tier krank wird oder regelmäßige Impfungen (bei Hunden, Katzen und auch Kaninchen) bekommen muss. Sind Sie bereit, deutlich mehr Geld für die Heilung einer Krankheit (evtl. Operation) Ihres Tieres auszugeben, als die Anschaffung gekostet hat?

Wenn Sie alle Fragen ruhigen Gewissens mit JA beantworten konnten und sich sicher sind, welche Tierart zu Ihnen und zu Ihrem Kind passt, dann können Sie sich ein Tier zulegen. Tiere sind wichtige Begleiter im Leben unzähliger Menschen und bringen viel Freude und glückliche Momente in unseren Alltag!

Nur sollten Sie bitte beherzigen:
Ein lebendes Tier gehört nicht unter den Weihnachtsbaum!

Doch was tun, wenn sich Ihr Kind trotzdem ein Haustier wünscht? - Besprechen Sie mit Ihrem Kind die Situation, in dem Sie oben aufgeführte Punkte beachten (welches Tier usw.) - Verschenken Sie zum Weihnachtsabend Gegenstände mit symbolischen Charakter, z. B. einen Fressnapf, ein Schlafhäuschen, ein Hamsterlaufrad usw. - ein Gutschein für einen Stall, ein Gehege oder die Ausstattung ist eine nützliche Geschenkidee - Machen Sie Wissen zum Geschenk, indem Sie Bücher über das gewünschte Tier (Geschichten, aber auch Ratgeber) überreichen (bitte kontaktieren Sie uns hierzu, leider gibt es mehr schlechte als gute Lektüre!) - Weisen Sie Plüschtieren eine größere Bedeutung zu, denn sie können besonders kleineren Kindern sehr wichtig sein! Sie können zuhören, geknuddelt werden, trösten und Geborgenheit schenken.

An den Weihnachtsfeiertagen können Sie sich zusammen mit Ihrem Kind über das gewünschte Tier informieren und sich beraten lassen. Im Internet gibt es viele Anlaufstellen über artgerechte Haltung, Pflege usw. die weiterhelfen, z.B. www.nager-info.de . Wenn sich die Feiertagshektik gelegt hat und der alles vorbereitet ist, kann der neue Mitbewohner einziehen. Vielleicht wollen Sie Tieren in Not helfen und hier ein neues, schönes Zuhause bieten? Die Tierheime und Notstationen und auch die Tierchen selbst würden sich sehr freuen und Ihnen von Herzen danken!!!


Wir danken allen, die dies nun bis zum Ende gelesen haben und stehen jederzeit (auch an den Feiertagen) gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

Ein herzliches Dankeschön an Andrea Probst für die Erstellung dieser Seite und an Pilar für den Banner!