Vergesellschaftungsbericht von Andrea (5-er-Gruppe)

Vergesellschaftungsberichte von Ulrike (3-er-Gruppe / 4-er-Gruppe)

Andreas 5-er-Vergesellschaftung:

Das hier sind meine 5 Meerschweinchen, drei Tage nach der Vergesellschaftung. Ein friedliches Bild; alle schön zusammen um den Fressnapf und keine Streitereien - aber das war nicht von Anfang an so! Meine Zusammenführung kann man gut mit einem spannenden Krimi vergleichen:
Es war Blutvergießen dabei, eine Hetzjagd nach der anderen, Spannung pur - und nach ganzen 3 Wochen endlich ein Happy-End.

Aber fangen wir mal von vorne an:

Meine Gruppe besteht aus 4 Meerschweinchen: Drei Damen und ein Böckchen, die sich blendend miteinander verstehen. Alles sind Nottierchen, die ein neues Zuhause bei mir gefunden haben und darüber bestimmt sehr glücklich sind (hoffe ich zumindest ;-))

Eine Meeri-Dame einer Halterin aus meinem Bekanntenkreis hat es mir seit geraumer Zeit angetan: Sie lebte mit drei (!) Böcken zusammen in einem Gehege, hatte im Alter von zwei Jahren ihre ersten zwei Babys tot zur Welt gebracht und ist daraufhin sofort wieder gedeckt worden, woraus zum Glück 4 gesunde Babys hervorkamen und sie keinen Schaden genommen hat, obwohl dies nicht selbstverstädnlich ist. Nach überstandener Kindererziehung sollte sie wieder in das Bockgehege umziehen, da die Halterin es als zu umständlich ansah, Luisa (so der Name des Meerschweinchens) getrennt von den Böcken zu halten. So kam ich - ganz unverhofft - zu einem fünften Meerschwein ...
Das hier ist sie die werte Dame:



Da mir das Wort "Vergesellschaftung" bis dato unbekannt war und ich ja alles richtig machen wollte, holte ich mir erstmal ein paar Infos von Kleintierhilfe München und aus dem Internet (www.diebrain.de). Laut Anweisung von Conny Otahal zog Luisa erst mal in einen separaten Käfig bei mir ein - wobei ich unwissentlich schon den ersten schlimmen Fehler gemacht hatte:
Da mir Luisa so leid tat, hatte ich ihren Käfig im gleichen Zimmer meiner Meerschwein-Gruppe aufgestellt, damit sie sie sehen und hören kann. Doch Conny hat mich gleich eines Besseren belehrt - durch diesen fatalen Fehler kann man sich Krankheiten, Parasiten oder ähnliches einfangen und gefährdet somit die Gesundheit der anderen Tiere und darüber hinaus ist die Vergesellschaftung eventuell sogar zum Scheitern verurteilt, weil sich bereits Aggressionen aufbauen können! Also sofort nach Conny´s Schimpfe ist Lusia in ein anderes Zimmer verfrachtet worden - dort saß sie, ganz alleine und traurig ... mir tat sie so unendlich leid, aber Luisa und ich mussten jetzt da durch - und was sind schon ein paar Tage in Einzelhaft im Gegensatz zu einem schönem langen Leben in einer standfesten Gruppe?

Es wurden also Köttel eingesammelt - vier ganze Tage lang, die von meinem Tierarzt dann nach Parasiten untersucht wurden (das nennt man Flotation, HIER ist das gut erklärt). Erst als der Tierarzt grünes Licht nach einer Allgemeinuntersuchung gab, stand nun einer Zusammenführung mit meiner bestehenden Gruppe nichts mehr im Wege.

Es ist ganz wichtig die Zusammenführung auf neutralem Boden durchzuführen, also im Klartext: Ein Platz, den die Tierchen nicht kennen bzw. ein Zwischengehege. Für die kurze Zeit der Vergesellschaftung muss das kein Palast sein - ich habe einfach Folie auf dem Boden ausgelegt, ein paar Bretter drumherum, eingestreut und tadaaaa, da war er fertig, mein neutraler Boden.



Bei der Größe des Geheges bei 5 Meerschweinchen sollten 1.5 m² reichen meinte Conny, somit könnten sich die Schweine gut aus dem Weg gehen (und ich kann's nur bestätigen: Bitte NICHT an Platz sparen!)
Sehr wichtig bei jeder Zusammenführung: Unbedingt Häuser zum Verstecken reinstellen, die mindestens zwei Ausgänge haben - bei meiner Vergesellschaftung wäre es nicht auszudenken gewesen, hätten sich die Tiere in den Häusern eingesperrt. Heu und Frischfutter habe ich überall verteilt, damit die Schweine jederzeit was im Mund haben zum kauen - das baut zusätzlich Stress ab.

So - nun war alles vorbereitet und am nächsten Tag war es dann soweit:

TAG 1

Nach einer so ziemlich schlaflosen Nacht, in der mir immer die selben Fragen durch den Kopf gingen: Was mach ich wenn es Ärger gibt - ab wann schreite ich ein - wann muss die ZF abgebrochen werden - hoffentlich überleben sie es alle und vor allem ich ... ging's gleich in der Früh um halb Acht dann endlich los:

Meine drei Kinder und ich setzten alle Meerschweinchen ziemlich schnell und kommentarlos in das neue Gehege. Und nun standen wir da - und warteten darauf dass irgendwas passierte. Aber die Meeris ignorierten erst mal komplett die neue Dame in ihrer Runde und machten einen Inspizier-Spaziergang rund ums Gehege; ebenso Luisa. Alles musste erst mal beschnuppert und gleich mal ein paar Heuhalme nebenbei probiert werden. Ach super, dachte ich mir, läuft ja wie am Schnürchen - bis nach etwa so 10 Minuten auf einmal wie ein Blitz, der ins Haus einschlug, alles was Füße hatte in dem Gehege zu rennen anfing! Es wurde gejagt bis zum Gehtnichtmehr - Streu und Heu flog durch die Luft, die Häuser fielen um, hier ein Gequieke, da ein Zähnegeklappern - und wir konnten nicht einmal zuordnen, wer wen da jagt, denn es war ein fürchterliches Durcheinander!

Ich dachte mir: Ok, das war's - Abbrechen. Doch irgendwie hatte ich noch Conny's Ratschläge im Hinterkopf: So lange sie sich nur jagen nicht eingreifen - sie müssen die Rangordnung untereinander neu ausmachen ... also abwarten und Tee trinken. Sehr bald kristallisierte sich auch schon der "Jäger" der Truppe raus: Die Neue, nämlich Luisa war die Übeltäterin, die die Vier quer durch's Gehege hetzte. Auf diesem Bild wird gerade mein armes Lieschen verscheucht:



Aber ich muss sagen, zwei meiner Damen der alten Truppe haben sehr schnell klein bei gegeben und Luisa als ihren neuen Chef akzeptiert. Das merkte ich vor allem daran, dass Luisa die beiden "besteigen" wollte, und als ihr das so halbwegs gelang war Ruhe im Karton - zumindest was diese Damen anbelangte.

Denn die dritte Dame, meine Kiki, war bis jetzt die Ranghöchste in meiner alten Gruppe. Und dieses werte Schweinchen machte absolut keine Anstalten, ihren Rang so sang- und klanglos abzugeben! Luisa und Kiki schlugen wie wild ihre Köpfe umher, klapperten mit den Zähnen und umkreisten sich gegenseitig powackelnd - bis der Kampf anfing! Alle beide stürzten sich furchtlos auf den Gegner, sie bildeten für ein paar Sekunden zusammen sogar ein "Knäuel" (wie man es von Strickwolle kennt) und hatten sich wohl gegenseitig gebissen, denn schlagartig ließ Kiki los und rannte davon. Luisa natürlich hinterher und wollte die Arme besteigen; diese wiederum ließ das absolut nicht zu und hackte mit ihren Kopf auf die Gegnerin ein. Daraufhin ließ Luisa ab und suchte sich ein neues Opfer.

Nun hatte sie ja schon alle durch, bis auf mein Böckchen, genannt Bommel. Dieser hatte es sich schon in einer Ecke des Geheges gemütlich gemacht und bekam es regelrecht mit der Angst, als er merkte er ist dran. Hier ein Bild, das diese gefährliche Situation veranschaulicht:

Ein paar Sekunden war Funkstille im ganzen Raum - ich und meine Kids standen da und trauten uns nicht mal zu atmen - jeder wartete ab was gleich passieren würde ... Angriff!
Bommel hechtete durch das Gehege, denn es war ja der Teufel persönlich hinter ihm her! Luisa hatte natürlich die Verfolgung aufgenommen, bis beide plötzlich stehen blieben, sich anguckten, Bommel zum Zähneklappern anfing und - man glaubt es kaum - Luisa sich abwandte!!!
Anscheinend hat's Luisa geschnallt: Aha, das ist ein Bock - da komm ich wohl nicht gegen an.

Nach diesem Adrenalinausstoß in aller Herrgottsfrühe war ich erst mal bedient. Meine Hände zitterten richtig, und ich dachte mir: Abbrechen, abbrechen, abbrechen. Aber mein Mann hatte stärkere Nerven als ich und er meinte, ich müsse die Tiere ihre Rangordnung klären lassen. Also wartete ich ab was noch alles passieren würde.

Durch diesen ganzen Stress waren alle fünf Meerschweinchen sichtlich gestresst und erledigt. Man merkte es ihnen an, dass sie Ruhe brauchten - jeder verzog sich in irgendeine Ecke, mit Sichtkontakt zu allen anderen, damit keinem auch ja nichts entgeht, und alle ruhten sich erstmal aus.

Nach einer knappen 1-stündigen Pause ging das Gejage wieder von vorne los. Hauptakteure: Luisa und Kiki - die anderen hatten die Rangordnung wohl schon geklärt und beteiligten sich an der Hetzjagd nur noch mit ausweichen. Es war extrem laut in dem Meerschweinchen-Zimmer; es wurde ständig mit den Zähnen geklappert und gequiekt; brommseln war auch zu hören (weiß aber leider nicht von wem es kam) und irgendjemand von der Truppe war ständig am zetern. So verging der erste Tag meiner Zusammenführung, und ich war mir am Abend nicht mehr sicher, warum ich mir das alles eigentlich angetan hatte. Dem Anschein nach war absolut jedes Tierchen total gestresst, und ich war auch so ziemlich fertig mit den Nerven. Der Einzige, der da wirklich standhaft blieb und mir Mut zuredete, war mein Mann Jürgen - er war der festen Überzeugung dass diese Vergesellschaftung einfach klappen musste!

Tag 2

Die erste Nacht der Fünfer-Gruppe verlief relativ ruhig. Nur ab und an war mal ein kleiner Quieker zu hören und es hätte mich nicht gewundert "Vogelgezwitscher" der Meeris wahrzunehmen (das tun sie um Stress abzubauen) - aber dem war nicht so und sogar Hetzjagden waren keine dabei in der Nacht. Waren wohl alle zu müde nach dem Stress ...



Nach der ersten Stärkung mit Gemüse und Salat, wobei jeder einen Sicherheitsabstand beim Fressen von dem anderen ein hielt (siehe Bild) ging's aber weiter im Text - Kiki und Luisa. Doch zu meinem Erstaunen hat Kiki sich nicht mehr gewehrt sondern klein bei gegeben - sie haute nur noch ab vor Luisa und versuchte sich sogar vor ihr zu verstecken.

Ich schaute mir Kiki etwas genauer an - und erschrak: Blut! Oh Gott, was habe ich meiner Süßen mit dieser Zusammenführung bloß angetan ... dachte ich mir und hob sie aus dem Gehege. Sie hatte eine kleine Bisswunde über der Nase (man sah richtig den Zahnabdruck) und unter dem Mund (oder eher im Halsbereich) war eine dünne Fellsträhne mit Blut getränkt. Des weiteren konnte ich keine bösartigen oder schlimmeren Bisswunden finden; die anderen hatten gar keine Wunden, deshalb habe ich die Zusammenführung - laut strengster Anweisung von meinem Mann - schweren Herzens nicht abgebrochen. Aber Kiki wurde von mir regelrecht verfolgt - fast den ganzen Tag habe ich im Meerschweinchen-Zimmer vor dem Gehege gesessen und sie beobachtet. Schließlich wollte ich nicht dass noch schlimmere Sachen passieren ...

Aber am Ende des zweiten Tages konnte ich doch noch ein Plus verbuchen, denn meine Fünfer-Gruppe hat zum ersten Mal zusammen gespeist:



Ist das nicht ein toller Anblick ...!!!! Da wird einem doch gleich ganz warm ums Herz - und mein Schatzi hat sich ein extra Bussi verdient weil er mir so gut zugeredet hatte ...!!

Tag 3 und 4

Die nächsten beiden Tage verliefen seeeehr ruhig; die anderen hauten nicht mehr ab vor Luisa, und sie bewegte sich schön frei und gelassen in der Truppe. Nur Kiki ging ihr aus dem Weg, und das war auch gut so finde ich. Schließlich war sie die Verliererin und hat ihren Rang als Chefin abgeben müssen die Arme. Ich schaute mir jeden Abend ihre Bisswunden genau an, denn ich wollte verhindern, dass sich da noch ein Abszess entwickelte. Kiki hatte auch am Popo ein paar Bisswunden, die aber nicht schlimm waren und schon nach ein paar Tagen verheilten. Aber im Zweifelsfall geht bitte unbedingt zum Tierarzt, wenn ihr euch nicht absolut sicher seid, dass die Wunde harmlos ist.

Alle anderen akzeptierten nun Luisa als neue Chefin, und somit beschloss ich am Ende des vierten Tages, dass die neue Fünfer-Gruppe am nächsten Tag in das alte Gehege zurück umziehen durften. Dieser wurde von mir in der Zeit der Zusammenführung peinlichst gereinigt, damit auch keine Gerüche der alten Truppe noch dran hafteten - also war es für die Meerschweinchen wieder ein Umzug in ein "neues" Heim:



Wir setzten alle Meerschweinchen fast zeitgleich in das Gehege, um Revierkämpfe zu vermeiden. Es wurde natürlich erst mal alles ausgekundschaftet und beschnuppert - und natürlich nebenbei gefressen. Es lief alles sehr friedlich ab, und alle Meerschweinchen gönnten sich danach erst mal eine längere Ruhepause.

Leider machte mir die nächsten zwei Wochen die "Neue" noch einige Probleme: Sie verscheuchte oftmals die anderen, ließ sie nicht mehr in die obere Etage raufklettern usw. Aber mittlerweile hat sich das gelegt, nachdem Luisa in die untere Etage gezogen ist. Alle Ebenen sind mit Rampen verbunden, die meine Meerschweinchen auch nutzen - bis auf Luisa. Und somit ist die untere Etage ihr neues Heim geworden. Mittlerweile akzeptiert sie sogar die anderen Schweinchen in "ihrem" Revier, und so halten nicht selten alle Fünfe zusammen Siesta in der untersten Etage.

Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich so standhaft geblieben bin in diesen drei Wochen - denn oft wollte ich einfach aufgeben. Deshalb kann ich jedem raten, aus Mitleid nie eine Vergesellschaftung abzubrechen (auch nicht für ein paar Stunden), denn die Tiere müssen die Karten einfach neu mischen was die Rangordnung betrifft. Es ist oft sehr schwer mit anzusehen, wie die Tierchen "leiden", denn bei einer solchen Zusammenführung wie meiner waren alle sehr gestresst. Aber es hat sich gelohnt, denn Luisa hat in ihrem neuen Zuhause endlich Ruhe gefunden, und muss sich nicht mehr gegen drei Böcke behaupten und Kinder kriegen.

Bedanken möchte ich mich ganz doll bei der Kleintierhilfe München, speziell Conny Otahal, die ich förmlich mit sämtlichen Fragen "bombadiert" habe und sie sich trotz ihrer knappen Freizeit immer wieder meiner angenommen hat. Und schließlich meinem Mann, der mich wirklich sehr stark in diesen drei Wochen unterstützt und mir Mut gemacht hat (obwohl er eigentlich gar nicht so "meerivernarrt" ist ...); ich glaube ohne ihn und Conny hätte es für Luisa schlecht ausgesehen mit einem neuen Zuhause.

Andrea Probst

Danke Andrea für diesen ausführlichen Bericht und Deine netten Lobesworte, wir wünschen Deiner 5-er-Truppe ein harmonisches und langes Miteinander!

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Ulrikes Vergesellschaftungen:

Vergesellschaftung Nummer eins oder der Wolf im Schafspelz:

Ich habe im September 2006 zwei Weibchen aus einer Zoohandlung zu mir geholt. Genau so, wie man es nicht machen sollte, nämlich aus Mitleid (wobei zu Hause schon alles vorbereitet war, ich wollte schon lange Meerschweinchen und hatte endlich eine eigene Wohnung und die Möglichkeit, sie zu halten). Maja, meine langhaarige Schönheit mit dem lackschwarzen Gesicht und das "Berner Sennenhund Schwein" (wegen der Farben) Lina waren meine absoluten Traumschweinchen und lange Zeit genügte es mir auch vollkommen, vor ihrem Käfig zu sitzen und sie zu beobachten. Doch so nach und nach fiel mir auf, dass die beiden die Rangfolge nie endgültig klärten und es immer wieder Krach gab. Viele Abende habe ich im Internet verbracht, bis dass mir klar wurde, dass nur ein Kastrat Abhilfe schaffen würde. Gesagt, getan, ich kontaktierte Conny Otahal bezüglich der Größe eines Eigenbaus und der Adoption eines Kastraten und fing an zu bauen. Conny riet mir zu Nemo, einem bildhübschen, 7 Monate alten Kastraten, der absolut panisch war, sobald Menschen in seine Nähe kamen. Ich besuchte Nemo, war hin und weg und baute schneller.

Ende August war es dann soweit, der Eigenbau fertig und ich schon ganz hibbelig. Conny brachte Nemo an einem Mittwochabend vorbei und ich hoffte auf eine ruhige Vergesellschaftung und einen gemütlichen Abend. Ein wenig Bedenken hatte ich wegen Lina, die ich damals für die Oberzicke hielt, aber es stellte sich schnell heraus, dass Lina nicht das Problem war ....

Auf Connys Rat hin hatten wir alle drei gleichzeitig in die oberste Etage meines Eigenbaus gesteckt (und vorher die Luke, die nach unten führt, geschlossen), Heuhaufen angerichtet und dann harrten wir der Dinge die da kamen. Und wie sie kamen! Alle drei verschwanden für eine Minute im Heu und dann blies meine ach so schüchterne Maja (jaja, ich habe mich getäuscht ...) zum Angriff. Sie griff wahllos an, Lina bekam ebenso ihr Fett ab wie Nemo, dessen Ohr nach kurzer Zeit durchgebissen war und nach dem ersten Angriff legte sie sich erstmal mitten ins Gehege. Ich atmete insgeheim auf - zu früh. Maja läutete die zweite Runde ein, raste auf Nemo zu, der vor lauter Angst in die Höhe sprang (und Maja somit unter ihm durchlief) und schrie, kniff Lina (die ihre Angst auch lautstark kundgab) und jagte die beiden dann "fröhlich" klappernd durchs Gehege. Das Ganze wurde natürlich von eindrucksvollem Zähneklappern und Angstgeschrei begleitet und wenn ich auch zwischendurch Angst hatte um Lina und Nemo, so hatten Conny und ich trotzdem das Gefühl, dass aus diesen dreien eine richtig tolle Truppe werden könnte, falls Maja sich beruhigen würde. Sie konnte, aber es dauerte Stunden bis dass sich alles soweit beruhigt hatten, dass Lina und Nemo in der einen Ecke und Maja in der anderen endlich einschliefen. Aus Angst, dass Nemo in seiner Panik über die Umrandung springen (immerhin 30 cm hoch) und 1,10 Meter tief fallen würde, schoben wir mein Sofa vor das Gehege und wünschten den dreien eine gute Nacht. In der Nacht wurde ich noch 3 Mal von einer schreienden Lina geweckt, aber ansonsten war die Gruppe ruhig. Am nächsten Morgen klapperte Maja jeden noch einmal an, als wollte sie alle noch einmal daran erinnern, dass sie die Chefin sein wollte, Lina schrie vor Angst, und dann kehrte endlich Ruhe ein, wobei Maja noch ein paar Tage lang klapperte, die anderen sich aber davon nicht mehr beeindrucken ließen.

Vergesellschaftung Nummer zwei oder warum weisse Schweinchen nichts für schwache Nerven sind:

Ein halbes Jahr später starb Lucy, das Meerschweinchen meiner Schwester, und Maggie, die übrig gebliebene, zog mit ihren damals 5,5 Jahren zu mir. Maggie ist eine weisse Rosette mit einem bunten Gesicht und bei ihrer Ankunft war Lina plötzlich diejenige, die richtig Theater machte und die sie eine Woche lang nur biss, vom Futter vertrieb und auch sonst einfach aggressiv war. Ausgerechnet Lina, die ja in der Rangfolge ganz unten war. Schliesslich wusste ich mir nicht mehr zu helfen und trennte Maggie durch eine Plexiglasscheibe von den anderen. Ich weiss, jeder Meerschweinchenexperte rät davon ab, aber alle Versuche, neu zu vergesellschaften, schlugen fehl und besondere Schweine verlangen eben besondere Maßnahmen. So sahen, hörten und rochen sie sich noch, aber Maggie wurde nicht mehr in den Hintern gebissen (und bei weissen Schweinchen sehen rote Striemen auf dem Popo gleich sehr viel heftiger aus, weil sie so "leuchten"...). Nach drei Tagen stattete Lina Maggie einen Besuch ab, indem sie über die Absperrung sprang. Alles blieb friedlich und nach und nach kamen auch Maja und Nemo "auf einen Sprung vorbei", so dass ich es wagte und die Scheibe rausnahm. Und von dem Tag an waren die vier eine absolute Traumgruppe.

Vergesellschaftung Nummer drei oder warum erwachsene Kastraten einfach Gold wert sind:

Bis zu diesem Tag im August 2009, an dem Maja, das absolute Chefschwein, starb. Zwei Wochen lang waren meine Schweinchen absolut ruhig, pfiffen nicht nach Futter, redeten nicht, blieben zusammen und machten mir einfach nur Angst. Doch schließlich ergriff Maggie die Chance, ordnete Nemo unter und wurde Chefin. Mir war klar, dass ich wieder eine Vierergruppe wollte, aber es war schwierig, vom Alter her etwas Passendes zu finden - Maggie war damals schon 6,5 Jahre alt, Lina drei und Nemo fast zwei. Meiner alten Maggie wollte ich kein Baby mehr antun, aber alle älteren Schweinchen passten vom Charakter her nicht (zu dominant) oder waren Böckchen.

Und dann kam Momo, das absolute Sonnenscheinschweinchen. Pechschwarz, keine richtige Rosette, aber auch kein Glatthaarschweinchen, ein runder Kopf mit grossen Ohren und 5,5 Jahre alt. Sie verbrachte die ersten fünf Jahre ihres Lebens alleine in einem winzigen Käfig und wurde dann mit zwei weiteren Schweinchen adoptiert. Die Besitzerin wurde dann während der Schwangerschaft allergisch und musste die drei wieder abgeben. Bei mir war es Liebe auf den allerersten Blick und ich freute mich schon, mein "Eisbärchen" (sie sah aus wie ein schwarzes Eisbärchen) den anderen vorzustellen. Aber ein bisschen Angst hatte ich auch - schliesslich hatte sich Lina ja als "Kampfsau" geoutet bei der letzten Vergesellschaftung und mir tat Momo schon vorab leid. Nach Rücksprache mit Conny habe ich Lina mit Rescue Tropfen versorgt und sie in einer separaten Kiste mitgenommen, als ich Momo abholen konnte. So war Lina schon ein bisschen gestresst, weil sie fast zwei Stunden mit mir unterwegs war (alleine) und wir hatten die Hoffnung, dass die Vergesellschaftung (diesmal im Planschbecken) etwas ruhiger ablaufen würde. Das war dann auch der Fall, aber es lag weder an dem Stress, den ich Lina ausgesetzt hatte, noch an den Tropfen, sondern ganz einfach an Nemo, der seit der letzten Vergesellschaftung "erwachsen" geworden war. Lina und Maggie klapperten Momo an, was das Zeug hielt (dass die Zähne da nicht abbrechen ...), und sobald es über das Drohen hinausging, fuhr Nemo wie ein Kugelblitz dazwischen und stellte sich vor Momo. Die wiederum verzog sich einfach in die nächste Ecke, wartete kurz und ging dann wieder zu Lina oder Maggie, als wollte sie sagen: "Hey, wir können doch Freunde sein". Der konstante Versuch dieses Schweinchens, sich möglichst schnell mit meinen Zicken anzufreunden und die ewige Hilfe von Nemo waren sehr rührend und brachten den einen oder anderen Kloss im Hals mit sich ...
Eine Woche verbrachten die vier im Planschbecken und der Umzug zurück in den Eigenbau verlief dann sehr unspektakulär. Fortan schliefen Maggie und Momo fast immer nebeneinander und auch Lina und Nemo waren nie weit von den beiden entfernt. Sie wurden zu einer absoluten Traumgruppe und ich freute mich jeden Tag mehr darüber, dieses fröhliche Schweinchen aufgenommen zu haben.

Hier ein Bild vom 2. Vergesellschaftungstag:

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